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  • ab: 07 oktober 2016
  • bis einschließlich: 14 mei 2017
  • Standort: Kasteel Het Nijenhuis

Marte Röling - Droomwerk (Traumarbeit)

Abbildung Kopfzeile: Marte Röling, Bollenbeelden Urnersee (Kugelbilder Urnersee), 2016, bemaltes Foto, 60 x 90 cm.

Im Jahr 2010 stellte Marte Röling (1939) im Museum de Fundatie 55 Porträts von ihrer großen Liebe Henk Jurriaans aus, der fünf Jahre zuvor verstorben war. Nun ist sie wieder da, nur diesmal nicht in Zwolle, sondern im Kasteel het Nijenhuis in Heino/Wijhe. Röling zeigt erst kürzlich entstandene Werke, die sie größtenteils speziell für die Ausstellung im Gartensaal des Schlosses anfertigte: Objekte und bemalte Fotos mit nur in ihrer Fantasie existierenden, häufig nicht realisierbaren Skulpturen an Standorten auf der ganzen Welt. Im Kasteel het Nijenhuis werden bis zum 22. Januar auch Werke ihrer Mutter, der Malerin Martine Antonie (1909–2006), gezeigt. Antonie schuf bunte Landschaften mit Figuren. Mit ihren expressiven Gemälden unterstrich sie ihre Liebe zur Natur und zu der ungreifbar-unnennbaren Lebenskraft, die sie als neugierige Reisende auf der ganzen Welt erfahren hatte. 


Marte Röling, Sahara-skybeelden (Sahara-Sky-Bilder), 2016, bemaltes Foto, 90 x 140 cm

Martine Antonie (Pseudonym von Tonny Röling-Grolle) debütierte 1961 mit 52 Jahren im Stedelijk Museum Amsterdam. 1964 hatte sie eine Ausstellung im Gemeentemuseum im Haag und 1966 im Stedelijk Museum Schiedam. Nach ihrem aufsehenerregenden Senkrechtstart entschied sie sich dafür, sich ins eigene Malatelier zurückzuziehen. Sie erfuhr den Ruhm als beklemmend, Anerkennung war ihr nicht wichtig. Erst in den 1980er-Jahren trat Antonie erneut mit Gemälden an die Öffentlichkeit. Ihre Themen sind fast durchweg Landschaften mit Figuren – zeitlos und harmonisch. Vom sachlichen Realismus ihrer Studienzeit an der Rijksakademie, der einige ihrer frühen, mit großer Fertigkeit ausgeführten Porträts kennzeichnet, findet man keine Spur mehr. Im Mittelpunkt stehen nun, von der dargestellten Wirklichkeit gewissermaßen losgelöst, Farbe und Bewegung. Ihr Thema ist nach wie vor leise und unveränderlich, unübersehbar jedoch sind die Farben. Die Expressivität, mit der Antonie den Pinsel über die Leinwand bewegte, ist noch immer spürbar. Die warme Palette und der dekorative Bildaufbau erinnern an die Fresken und Mosaiken des Mittelalters oder auch an orientalische Teppiche. Das Werk weist auch Verwandtschaft mit dem koloristischen Intimismus des Franzosen Pierre Bonnard und den symbolistischen Visionen des Norwegers Edvard Munch auf. Viele Gemälde entstanden nach Reisen durch Europa, Asien und Afrika. Martine Antonie malte die Landschaft nicht unmittelbar so, wie sie sie wahrnahm, sondern brachte das Gefühl tiefer Verbundenheit mit der sie umgebenden materiellen und geistigen Welt auf der Leinwand zum Ausdruck. Sie malte nicht nur das Flüchtige und Spezifische, sondern gerade die bleibenden und allgemeinen Züge der Landschaft. Es sind „Traumgemälde“, die eine ideelle Wirklichkeit und ein irdisches Paradies zeigen. Martine Antonie, Voorgebergte, 1964, olieverf op doek, 65,5 x 90 cmMartine AntonieVoorgebergte (Vorgebirge), 1964, Öl auf Leinwand, 65,5 x 90 cm

Gé Röling, Martes Vater und Dozent an der Rijksakademie in Amsterdam, lehrte sie, die sichtbare Welt zu zeichnen. Von ihrer Mutter, der Malerin Martine Antonie, lernte sie, durch die gegenständliche Erscheinung der Welt quasi hindurchzusehen und das Wesentliche zu erkennen. Beide Elternteile waren von großer Bedeutung für die künstlerische Entwicklung Marte Rölings, die bereits in jungen Jahren sehr erfolgreich war. Seit Ende der 1950er-Jahre beteiligte sie sich an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Weithin bekannt sind ihre Modezeichnungen für die Tageszeitung Het Parool aus den 1960er-Jahren sowie die Porträts der Königin Beatrix und von deren Gatten Prinz Claus aus den 1980er-Jahren. Bei anderen Aufträgen, die sie neben ihren autonomen Gemälden und Skulpturen ausführte, handelt es sich um Kunstwerke für den öffentlichen Raum. Dazu zählen das Vlaggenmonument (Fahnendenkmal) beim AMC-Spital in Amsterdam (1983), eine Skulptur mit dem Titel „Non scholae, sed vitae“ für die Universität Groningen (1999) und die Hansebake auf der Strandinsel von Harderwijk (2013). Auf Einladung des Museum de Fundatie schuf Marte Röling für die Ausstellung im Nijenhuis neue Werke.

Röling entwarf eine Reihe von „Traumskulpturen“ – d.h. Skulpturen, die sie sehr gerne angefertigt hätte, aber aus unterschiedlichen Gründen nie wird ausführen können. 

Manche Skulpturen würden einfach zu groß geraten, andere sind aus technischen Gründen nicht ausführbar und wiederum andere werden aufgrund des besonderen Standorts, den die Künstlerin für sie auswählte, Träume bleiben. Indem sie die Entwürfe in meist von ihr selbst gemachte Fotos einzeichnete und malte, kann man sich die Skulpturen dennoch vorstellen und sie präsentieren. Verwirklicht wurden hingegen ihre im Schloss aufgestellten „Spießskulpturen“ aus neuerer Zeit, verspielte Objekte, voller Farbe und Bewegung, die an oder auf meterhohen senkrechten Stangen oder Spießen befestigt sind.

Marte Röling, Shocking Pink

Marte Röling, Shocking pink (prikbeeld) (Shocking pink – Spießskulptur), 2016, Edelstahl, Kunststoff und Blattgold, Höhe 300 cm

Obwohl Träume eine Voraussetzung für jedes Kunstschaffen sind, ist nach Marte Rölings Auffassung Disziplin noch viel wichtiger. Künstlertum bedeutet vor allem harte Arbeit. Ein Künstler muss aber nicht arbeiten, er will es, sehr gerne sogar. Der Titel der Ausstellung im Museum de Fundatie verweist nicht nur auf die „Traumgemälde“ und „Traumskulpturen“, sondern auch auf den Beruf des Künstlers. Röling betrachtet ihre Arbeit als „Traumarbeit“, als den schönsten Beruf, den es gibt. Zur Planung und Ausführung ihrer neuesten Skulpturen sagt sie denn auch voller Hingabe: „Ich habe es bis zur Neige genossen.“

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  • ab: 07 Oct 2016
  • bis einschließlich: 14 May 2017
  • Standort: Kasteel Het Nijenhuis