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  • ab: 17 januar 2020
  • bis einschließlich: 05 mai 2020
  • Standort: Museum de Fundatie

CRUX - GEMÄLDE VON MARTIN KOBE, MIRJAM VÖLKER, ROBERT SEIDEL UND TITUS SCHADE

Anhand der Ausstellung CRUX macht das Museum de Fundatie ab dem 18. Januar 2020 das Publikum mit dem Werk von vier Künstlern aus Leipzig bekannt: Martin Kobe (1973), Mirjam Völker (1977), Robert Seidel (1983) und Titus Schade (1984). Ihre Wege kreuzten sich, als sie an der berühmten Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierten. Kobe war Meisterschüler von Arno Rink; Völker, Seidel und Schade waren in der Meisterklasse Neo Rauchs.

Leipzig ist nicht nur Musik- und Bücherstadt, sondern auch ein Brennpunkt der Malerei. Hier wurde Max Beckmann geboren und nach dem Zweiten Weltkrieg spielte die Stadt eine wichtige Rolle im Kunstleben der DDR. Die bedeutendsten Protagonisten waren Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig. In Ostdeutschland malte man figurativ: Das geschah im Auftrag des Staates, war aber auch von den Künstlern so gewollt. Abstraktion und Konzeptualität, zu jener Zeit bildbestimmend für die Kunst im Westen, fanden in der DDR kaum Anklang. Deshalb wundert es nicht, dass die Kunst aus Leipzig in den Niederlanden sowie in der übrigen westlichen Welt als altmodisch empfunden wurde. Nach dem Fall der Mauer brach die Leipziger Malerei mit Neo Rauch (1960) international durch. Rauch gehörte einer jüngeren Generation als Tübke, Mattheuer und Heisig an. Er erhielt seine Ausbildung in der DDR und, obwohl er ganz und gar ein Vertreter der Leipziger Schule war, zogen seine großen, figurativen Werke in den 90er-Jahren weltweit Aufmerksamkeit auf sich. Wichtige Ausstellungen waren die Folge, unter anderem im Metropolitan Museum of Art in New York. Im Gefolge Rauchs erhielt eine Reihe von weiteren Malern aus Leipzig ein Forum und seitdem gilt die Stadt als bedeutende Brutstätte für malerisches Talent.

Martin Kobe, ohne Titel, 2010, Acryl auf Leinwand 120 x 130 cm, Courtesy The artist.

Bereits seit einigen Jahren werden Werke von Leipziger Malern im Museum de Fundatie dem Publikum vorgestellt. Im Jahr 2017 widmete das Museum sowohl Werner Tübke (1929-2004) als auch Wolfgang Mattheuer (1927-2004) eine Übersichtsausstellung. Von diesen beiden Künstlern besitzt das Museum bedeutende Werke, darunter den Entwurf für das Werk Arbeiterklasse und Intelligenz, das Tübke für die Leipziger Universität malte. Im Jahr 2018 folgte in Zwolle eine große Retrospektive Neo Rauchs mit 65 Gemälden aus der Zeit zwischen 1993-2017. In der ständigen Ausstellung des Museums wird ein Ensemble aus seinem Œuvre gezeigt, das in den Niederlanden einmalig ist: vier Werke aus eigener Sammlung des Museums (Gewitterfront aus 2016, das letztes Jahr erworbene Tal aus dem Jahr 1999 sowie zwei Arbeiten auf Papier) und zudem zwei Dauerleihgaben (Neujahr und Der Lehrling). Im Jahr 2019 folgte eine Übersichtsschau der Werke des Malers Michael Triegel. In der Ausstellung CRUX präsentiert das Museum nunmehr eine neue Generation von Malern aus Leipzig. Die große Leipziger Maltradition verbindet diese Künstler ebenso wie ihre Virtuosität und die Aufmerksamkeit, die sie Architektur und Landschaft widmen.

Martin Kobe, ohne Titel, 2015, Acryl auf Leinwand 50 x 80 cm, Privatsammlung Berlin.

Martin Kobe
Martin Kobe (1973) malt Innenräume und Außenräume – vor allem aber offene Räume. Seine Bilder sind aus Bruchstücken fiktiver Gebäuden aufgebaut. Diese bilden die Bühne für etwas Größeres, aber für was? Die strenge Architektur drängt aus dem Hintergrund hervor und sieht modern und futuristisch aus, ist aber alles andere als funktionell. Kobe spielt mit Perspektiven. Mithilfe verschiedener Fluchtpunkte kreiert er eine Dynamik, die verwirrend wirkt. Seine Bilder balancieren auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Scharf gezogene Linien wechseln mit vagen Umrissen von Gebäuden, Konstruktivismus versus Dekonstruktivismus, Schönheit und Zerstörung liegen nah beieinander.Mirjam Völker, Bann, 2015, Acryl auf Leinwand 180 x 220 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Stefan Fischer, Leipzig.

Mirjam Völker, Totem, 2018, Acryl auf Leinwand, 210 x 180 cm, Privatsammlung, Pforzheim, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Freund Walter.

Mirjam Völker
In den Gemälden Mirjam Völkers (1977) stehen wir Auge in Auge den von der Natur überwucherten Überbleibseln einer Zivilisation gegenüber. Die Häuser, Baracken und Hütten auf ihren Bildern sind menschenleer und muten mal europäisch, mal asiatisch an. Sehen wir hier Bauten, die den Kindern zum Spiel dienen oder handelt es sich um eine postapokalyptische Szenerie? Natur und Zivilisation stehen in einem Spannungsfeld. Dabei hat es den Anschein, als würden die Behausungen zum Spielball der Vegetation werden. Wir assoziieren Fensterhöhlen mit Augen, Stützen mit staksigen Gliedmaßen. Die anthropomorphen Strukturen ringen mit der Natur, vielleicht umarmen sie sich auch. Es bleibt ein Rätsel.Robert Seidel, Forum Romanum, 2016, Eitempera auf Leinwand 200 x 300 cm, Sammlung Köstlin, Berlin.Robert Seidel, Manu, 2018, Eitempera auf Leinwand 60 x 40 cm, Privatsammlung Eindhoven.

Robert Seidel
Robert Seidel (1983) malt in der alten Technik von selbst aus Eitempera hergestellter Farbe, Schicht auf Schicht. Seidel macht keine vorhergehenden Skizzen. Er konstruiert seine eigene Welt auf der Leinwand und reduziert dabei das Gesehene zu grafisch wirkenden Flächen. In manchen seiner Arbeiten hat er sich von Videogames inspirieren lassen, er malt aber auch klare Landschaften, in der vor allem das scharfe Licht des Ozeans auffällt. Menschen stellt Robert Seidel in einer fast unterkühlten Art und Weise dar, während er auf Muster ein besonderes Augenmerk richtet und die Perspektive in einer freskoähnlichen Weise behandelt. Mattglänzend, wie die Autos und Motoren, die in seinem Œuvre regelmäßig wiederkehren.Titus Schade, Der große Kiosk, 2018, Öl und Acryl auf Leinwand, 100 x 200 cm, Privatsammlung, Leipzig, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin.Titus Schade, Die Landschaft, 2018, Öl und Acryl auf Leinwand 80 x 100 cm, Privatsammlung, Aschersleben, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin.

Titus Schade
Die Gemälde von Titus Schade (1984) sind theatralisch und erinnern an Bühnenbilder, die von der Bühne geradewegs auf die Leinwand übertragen wurden. Seine Fassaden stehen mit klar umrissenen Farbverläufen buchstäblich im Rampenlicht.Deutsche Architektur, insbesondere Fachwerkhäuser, bilden einen konsistenten Teil seiner Kompositionen. Und in dem Moment, als wir seine Kunst als deutsch bezeichnen, wird uns bewusst, dass sich die gleichen Fachwerkhäuser in ganz Europa finden lassen. Schades kerzengerade Linien, die an Mondrian erinnern, bilden zusammengesetzte Welten, die Erinnerungen an Spielzeughäuser wachrufen. Ein Universum aus Bausteinen, mit der Schade wie ein großer Schöpfer die Architektur für eine künftige Menschheit kreiert.

Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit den Künstlern und der Galerie EIGEN + ART sowie der ASPN Galerie entstanden.

Parallel zur Ausstellung CRUX werden im Drents Museum in Assen Werke des Leipziger Malers David Schnell (1971) gezeigt. Bei Uitgeverij Waanders & de Kunst erscheint der Ausstellungskatalog CRUX – Gemälde von Martin Kobe, Mirjam Völker, Robert Seidel und Titus Schade (mit Beiträgen von Ralph Keuning, Leonie Pfennig, Kito Nedo, Karoline Mueller-Stahl, Simone Sondermann und Larissa Kikol).



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Foto Kopfzeile: Robert Seidel, Florence 2, 2019, tempera auf Leinwand 100 x 140 cm, courtesy ASPN Galerie, Leipzig/Gerhard Hofland, Amsterdam..


  • ab: 17 Jan 2020
  • bis einschließlich: 05 May 2020
  • Standort: Museum de Fundatie