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  • ab: 28 januari 2017
  • bis einschließlich: 14 mei 2017
  • Standort: Museum de Fundatie und Kasteel het Nijenhuis

WERNER TÜBKE (1929-2004) - MEISTERMALER ZWISCHEN OST UND WEST

„Werner Tübke (1929–2004) – Meister der Malerei zwischen Ost und West“ ist die erste große Übersichtsausstellung zu Werner Tübke (1929–2004), dem Fahnenträger der „Leipziger Schule“, außerhalb Deutschlands. Das DDR-Regime beäugte Tübke anfangs sehr kritisch, gestand ihm aber ab den 1970er-Jahren einen größeren Freiraum zu. Seine ersten Staatsaufträge erhielt Tübke bereits in den 1950er-Jahren. Im Jahr 1976 erhielt er den bedeutendsten Auftrag in der Geschichte der DDR-Kunst überhaupt, nämlich in Bad Frankenhausen ein Panorama zur Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland zu malen. Es sollte eines der größten Gemälde der Welt entstehen. Dennoch war er kein Propaganda-Künstler. Er übertrug aktuelle Themen in zeitlose, im Stil der Renaissance oder des Manierismus gemalte Allegorien, die seine Kunst von der Politik abhoben. Seinen künstlerischen Wert vermochte Tübkes virtuoses, häufig theatralisches und stets eigenwilliges Werk daher auch nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 weiter zu behaupten. In Zwolle präsentiert das Museum de Fundatie an die hundert seiner Gemälde, darunter sämtliche Höhepunkte seines Œuvres inklusive der fünfzehn Meter langen Vorstudie seines Panoramas zum Deutschen Bauernkrieg, der Serie Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze und des Entwurfs für Arbeiterklasse und Intelligenz in der Universität Leipzig. Im Kasteel het Nijenhuis wird eine reiche Auswahl seiner Zeichnungen und Aquarelle gezeigt. Die Ausstellung kam in Zusammenarbeit mit Brigitte Tübke-Schellenberger, der Tübke Stiftung Leipzig, der Galerie Schwind, dem Panorama Museum Bad Frankenhausen und dem Museum der bildenden Künste Leipzig zustande.

Werner Tübke studierte Ende der 1940er-Jahre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Um sich der restriktiven (politischen) Kunstauffassung der Hochschule zu entziehen, setzte er Anfang der 1950er-Jahre seine Studien am Caspar-David-Friedrich-Institut in Greifswald fort, wo er sich nicht nur mit der künstlerischen Praxis, sondern auch mit der Kunstgeschichte eingehend auseinandersetzte. Gemeinsam mit Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig gründete Tübke Mitte der 1960er-Jahre die sogenannte Leipziger Schule, die das Gesicht der DDR-Kunst in bedeutendem Maße prägen sollte. Anfang der 1970er-Jahre unternahm Tübke seine erste Studienreise nach Italien, wo ihm 1971 eine wandernde Einzelausstellung zum internationalen Durchbruch verhalf. 1977 beteiligte er sich an der documenta in Kassel. Trotz der Kritik in den 1960er-Jahren, sein Werk entspreche nicht dem Sozialistischen Realismus, gelang es ihm mit der Zeit doch, sich einen größeren künstlerischen Freiraum zu verschaffen. Sein monumentales Panorama in Bad Frankenhausen wird als die „Sixtinische Kapelle des Nordens“ bezeichnet. Es entstand im Auftrag des Staates in den Jahren 1976 bis 1987. Im Museum de Fundatie wird die Vorstudie des Panoramas gezeigt – eine großzügige Leihgabe der Neuen Nationalgalerie (Staatliche Museen zu Berlin). Thema des Rundbildes ist der Deutsche Bauernkrieg (1524–1526), ein Volksaufstand gegen die etablierte Ordnung im Süden des deutschsprachigen Raums, der von der DDR als Vorläufer des eigenen Staates betrachtet wurde. Dennoch ist Tübkes Darstellung der Ereignisse alles andere als ein politisches Pamphlet. Er malte ein universales menschliches Drama, das düstere Ende eines utopischen Ideals. Wenn man aus der Geschichte, wie sie Tübke uns präsentiert, wenigstens eine Lehre ziehen kann, dann die, dass wir nichts lernen. 

Werner Tübke, Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze VII,
1966/67, Öl auf Leinwand, 122,5 x 182,5 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig

Weitere Großaufträge Tübkes sind eine Allegorie, Arbeiterklasse und Intelligenz, für die Karl-Marx-Universität in Leipzig (1970) und ein Polyptychon mit dem Titel Mensch - Maß aller Dinge für den Palast der Republik in Berlin (1974). Das Museum de Fundatie zeigt eine Vorstudie für das Werk Arbeiterklasse und Intelligenz sowie zwei der Tafeln des Polyptychons. Aufgrund seiner prominenten Stellung in der DDR, wo modernistische Kunst kaum geduldet wurde und Gesellschaftskritik verboten war, war Tübke trotz aller Meisterschaft ein umstrittener Künstler. Sein traditioneller Malstil und seine entsprechende Arbeitsweise trugen dazu bei, dass er in Kreisen der Avantgarde ohne Weiteres als unmodern und deshalb uninteressant verschrien war. Wer jedoch genauer hinsieht, entdeckt einen höchst originellen Künstler, der auch im Rahmen eines Auftrags eigene Wege ging und in seiner Kunst wie in seinen gesellschaftlichen Anschauungen gleichermaßen eigenständig Position bezog.

Zentrales Thema von Tübkes Malerei ist die „condition humaine“. Seine Bilder zeigen den Menschen zwar nicht ohne Putz und Schmuck – im Gegenteil –, diese Aufmachung weist aber einen Hang zum Grotesken auf. Es hat schon seine Bedeutung, dass die Figur des Narren bei Tübke immer wieder vorkommt, ebenso wie die Marionette und der Harlekin. Alles ist Eitelkeit und die ganze Welt ist Bühne, das scheinen seine Gemälde zu verkünden. Für Tübke selbst stand sein Künstlertum in einer jahrhundertealten Tradition, die so groß und bedeutend war, dass er sich mit den seines Erachtens flüchtigen Experimenten des Modernismus nicht abgab.  

In Tübkes Œuvre wird die Kunst sehr unterschiedlicher Vorgänger wie von Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer, Matthias Grünewald, Caspar David Friedrich und Otto Dix auf eine ebenso selbstverständliche wie überzeugende Art und Weise zu einer Einheit verschmolzen. Die Haltung des Antitraditionalismus, die die Kunst des Westens nach 1945 kennzeichnet, fehlt bei den Künstlern der DDR fast vollständig. Gerade deshalb konnte sich die klassische Malerei dort weiterentwickeln und einen neuen Höhepunkt erreichen.  

Zur Ausstellung „Werner Tübke – Meister der Malerei zwischen Ost und West“ erscheint im Verlag Waanders & De Kunst ein reich bebilderter Katalog mit Texten von Eduard Beaucamp, Feico Hoekstra, Ralph Keuning und Annika Michalski.

Werner Tübke, Selbstbildnis mit roter Kappe
1988, Öl auf Leinwand , 72 x 57 cm, Privatsammlung

Werner Tübke, Mädchenbildnis (Studie zu Arbeiterklasse und Intelligenz
1970, Aquarell, 59,2 x 48,3 cm, Sammlung Museum de Fundatie


  • ab: 28 Jan 2017
  • bis einschließlich: 14 May 2017
  • Standort: Museum de Fundatie