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  • ab: 16 januar 2021
  • bis einschließlich: 02 mai 2021
  • Standort: Museum de Fundatie

John Heartfield - FOTOGRAFIE PLUS DYNAMIT

Vom 16. Januar bis 2. Mai 2021 zeigt das Museum de Fundatie eine große Überschau des Fotografen John Heartfield (1891-1968). Seine ungemein kräftige Bildsprache im Verein mit dem von ihm genutzten Forum macht ihn zu einem ,Influencer avant la lettre’. Heartfield hat mit seinen Fotocollagen die breite Öffentlichkeit gegen Faschismus und Krieg mobilisieren wollen. Diese erreichte er unter anderem mithilfe seiner für das Titelblatt der Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ) geschaffenen Bilder. Die Ausstellung John Heartfield – Fotografie plus Dynamit ist ein gemeinsames Projekt der Akademie der Künste in Berlin und der Royal Academy of Arts in London und wird nacheinander in Berlin, Zwolle und London gezeigt.John Heartfield, Benütze Foto als Waffe! (Use Photo as a Weapon!), 1929 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

In der heutigen Zeit, in der unsere Kommunikation über soziale Medien von Influencern, Fake News, Populismus und Hetze beeinflusst und gefärbt wird, ist Heartfields Kunst so aktuell wie eh und je: Sie hat nichts von ihrer Kraft verloren. Seine Bildmanipulationen sind voller Satire, Kritik und Propaganda. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Schockieren lag ihm im Blut und es gelang ihm, während der Weimarer Republik im Auftrag der KPD eine äußerst wirksame Propagandasprache zu entwickeln. Wenn wir heute die Werke Heartfields betrachten, erkennen wir zum einen den talentierten Avantgardisten und zum anderen einen Künstler, der in den politischen Auseinandersetzungen Stellung bezog und tatkräftig Propaganda betrieb. 

John Heartfield, als Helmut Herzfelde im Jahr 1891 in Berlin geboren, stand gemeinsam mit George Grosz an der Wiege des Berliner Dadaismus. Die durch den Ersten Weltkrieg herbeigeführte Tabula rasa und der moralische Bankrott Europas fanden Ausdruck im Anarchismus des Dada, wobei der Berliner Zweig dieser gesamteuropäischen Bewegung schon bald den Kommunismus umarmte. Die künstlerische Zusammenarbeit mit Grosz führte im Jahr 1916 zur Entwicklung der Fotomontage, deren Erfindung sie für sich beanspruchten: Fragmente von Fotos werden so zusammengefügt, dass eine neue Aussage entsteht. Anfangs ein typisches Verfahren des Dada, das darauf abzielte, zu schockieren und zu provozieren, wurde die Montage von Heartfield in den 1920er-Jahren zu einem höchst wirksamen Propagandamittel weiterentwickelt: Die Schere diente ihm als Waffe im Klassenkampf. Zu Heartfields besten und wirksamsten Schöpfungen gehörten die Fotocollagen, die ab 1930 in der AIZ veröffentlicht wurden, die der allgegenwärtigen bürgerlichen und seit 1933 auch der nationalsozialistischen Presse ihr Informationsmonopol streitig machte. Gedruckt als Titelblätter dieses Wochenblatts erreichten Heartfields Fotocollagen ein Millionenpublikum. John Heartfield, Bürger Schippel (Citizen Schippel), 1955 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

Das Œuvre Heartfields bewegt sich an der Grenze zwischen autonomer Kunst und Engagement. Seine Collagen zeigen, wie Bilder auf überzeugende Weise politische Aussagen vermitteln können, während sie zugleich auch aufgrund ihrer ungeheuren Originalität und Ästhetik zu fesseln vermögen. Heartfields Werk ist wie Dynamit, das zerstört und aufbricht, um neuen Raum zu schaffen. Der Nachhall seines Dynamits ist noch immer hörbar, denn Heartfield hat nicht nur die Bildsprache seiner eigenen Zeit stark beeinflusst: Sein Verfahren des Ausschneidens, Einfügens und Retuschierens ist heute grundlegender Bestandteil des in den Massenmedien verwendeten Photoshop. 

Heartfield hat in der politisch-aktivistischen Zeit der 1960er- bis 1980er-Jahren viele Künstler beeinflusst. Das Museum de Fundatie möchte nun eine neue Generation von Künstlern mit dem Werk Heartfields bekanntmachen und sie dazu ermuntern, mit der propagandistischen Macht von Kunst zu spielen. Dieser Einsatz von Kunst ist zwar so alt wie diese selbst, doch seit der Romantik gesellte sich die Vorstellung einer autonomen Kunst dazu und sollte sogar prävalieren. Das Museum de Fundatie misst der Kunst in der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen von heute große Bedeutung zu: Heartfield könnte hier die Rolle eines Inspirators übernehmen. Das Museum arbeitet mit der Hochschule für die Künste in Utrecht, der ArtEZ Hochschule für die Künste und der Cibap Fachschule für Gestaltung zusammen, damit parallel zur Ausstellung junge Künstler, die bahnbrechende, visuelle Kommunikationsformen anwenden, dazu ermuntert werden, ideologische Kunst zu erschaffen. ,Heartfield in der Fundatie‘ wird ein Diskussionsforum sein und neue Bilder und Ideen generieren. Die Ausstellung ist zeitlich optimal auf die Parlamentswahlen in den Niederlanden am 21. März 2021 abgestimmt. John Heartfield, Deutschland, Deutschland über alles, 1929 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

Die Ausstellung wird sehr umfassend sein. Wir zeigen Werke aus Heartfields gesamtem Œuvre: angefangen vom Buchumschlag und politischer Werbung über Bühnenbild und Fotografie bis zum Zeichentrickfilm. Manche Objekte werden zum ersten Mal gezeigt werden, wie unter anderem Drucksachen, Zeichnungen und Artefakte aus Ostasien, die für seine Werke als Inspirationsquelle dienten. Es ist die Geschichte großen persönlichen Mutes und eines riesengroßen Talents, um darzustellen, was das Vorstellungsvermögen seiner Zeitgenossen bei Weitem überstieg. 

John Heartfield – Fotografie plus Dynamit fügt sich hervorragend in die Ausstellungsreihe des Museum de Fundatie zur Zwischenkriegszeit und der DDR ein, wie ,Tanz auf dem Vulkan – Kunst und Leben in der Weimarer Republik‘ (2013) und die Retrospektiven der Maler Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer (2017), die neben Bernhard Heisig Gründer der Leipziger Schule waren.John Heartfield, Werkzeug in Gottes Hand? Spielzeug in Thyssens Hand! (Tool in God's Hand? Toy in Thyssen's Hand!), 1933 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield, 5 Finger hat die Hand. Mit 5 packst Du den Feind. Wählt Liste 5. Kommunistische Partei! (5 Fingers Has the Hand. With 5 You Seize the Enemy. Vote for List Number 5: the Communist Party!), 1928 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.


Foto kopfzeile: John Heartfield, Krieg und Leichen – Die letzte Hoffnung der Reichen (War and Corpses – The Last Hope of the Rich), 1932 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.


  • ab: 16 Jan 2021
  • bis einschließlich: 02 May 2021
  • Standort: Museum de Fundatie