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  • ab: 28 april 2021
  • bis einschließlich: 22 august 2021
  • Standort: Museum de Fundatie

John Heartfield - FOTOGRAFIE PLUS DYNAMIT

Sobald es möglich sein wird, zeigt das Museum de Fundatie eine umfassende Retrospektive der Werke John Heartfields (1891-1968). Dieser deutsche Protagonist der Dada-Bewegung, Fotomonteur und politische Künstler nutzte seine Kunst als Waffe, mit der er ein Millionenpublikum erreichte. Es wird die größte Übersichtsausstellung des Œuvres dieses Influencer avant la lettre“ sein, die in den Niederlanden jemals zu sehen war. Die Ausstellung ist im Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste in Berlin entstanden und wird anschließend nach London weiterreisen.

John Heartfield, Benütze Foto als Waffe! (Use Photo as a Weapon!), 1929 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield (geboren als Helmut Hertzfelde) stand an der Wiege des Berliner Dadaismus und erfand – gemeinsam mit George Grosz – im Jahr 1919 die Fotomontage. Zu jener Zeit wurde er auch Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die KPD erkannte schon bald, was für ein kommunikatives Potenzial den fotografischen Bildmanipulationen Heartfields inne wohnte und gab ihm die Gelegenheit, die Titelseiten der Zeitschrift AIZ (Die Arbeiter-Illustrierte Zeitung) frei zu gestalten. Außerdem betreute Heartfield die Wahlkampagnen der KPD. Er wurde aufgrund seiner scharfen Analyse des Nationalsozialismus, vor deren Hintergrund er Adolf Hitler gnadenlos aufs Korn nahm, gefeiert und gefürchtet. Sein Freund, der Kunstkritiker Adolf Behne, kennzeichnete seine Bildmontagen im Jahr 1931 als Fotografie plus Dynamit.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 musste Heartfield wegen der enormen Aussagekraft und des politischen Einflusses seiner Bilder Hals über Kopf aus Deutschland fliehen. Er setzte seine politische Propaganda und Aufklärung von Prag aus fort. Nach dem Exil in England während des Zweiten Weltkriegs kehrte Heartfield nach Deutschland zurück: Er entschied sich für die DDR. Dort wurde er von den neuen Machthabern mit Vorbehalt und Argwohn betrachtet. Es gelang ihm nicht, die propagandistische Kraft seiner Werke wieder aufleben zu lassen. Er verlegte sich auf die Buchgestaltung (womit er sich bereits seit Beginn seiner Künstlerlaufbahns beschäftigt hatte) sowie auf den Entwurf von Bühnenbildern.

John Heartfield starb im Jahr 1968. Er hat gerade noch miterlebt, wie die Studentenbewegung der 1960er-Jahre die Bildsprache seiner Fotomontagen umarmte.

John Heartfield, Ob Schwartz, ob Weiss – im Kampf vereint!, 1932, Fotomontage für der AIZ, © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Akademie der Künste, Berlin.

Fotografie plus Dynamit zeigt das umfangreiche Œuvre Heartfields in seiner Gesamtheit: von politischer Werbung über Buchumschläge und Bühnenbildentwürfe bis zu Fotografie und Zeichentrickfilmen. Es werden auch Werke zu sehen sein, die zum ersten Mal ausgestellt werden. Dazu gehören Drucksachen, Zeichnungen und Artefakte aus Ostasien, die Heartfield als Inspirationsquelle dienten.

Beinahe ein Jahrhundert später haben seine Werke nichts von ihrer explosiven Kraft eingebüßt. Die Bedeutung der Ausstellung geht daher über das Kennenlernen des Begründers der Fotomontage hinaus: Sie beinhaltet zudem eine Einladung an die neueste Künstlergeneration, sich von seinem Œuvre inspirieren zu lassen.

Die Future Factory, das Labor für neue Kunst des Museum de Fundatie, bietet zeitgenössischen Künstlern die Gelegenheit dazu. Denn wie sieht engagierte Kunst heutzutage aus? Unterscheidet sie sich wesentlich von den Werken John Heartfields oder lassen sich da auch Übereinstimmungen finden? Eine Antwort ist in der Ausstellung Wem gehört die Welt? zu sehen, eine Schau im Zusammenarbeit mit der Hogeschool voor de Kunsten Utrecht (HKU). Neunundzwanzig aktivistische Kunstmacher – Absolventen und Dozenten der HKU – reagieren von ihrem (eigenen) Standpunkt aus auf aktuelle Themen wie Klima, Rassismus, Gender und Identität.

Studenten der Disziplin „Illustration Design“ aus dem ersten und zweiten Studienjahr von ArtEZ (University of the Arts) liefern einen besonderen Beitrag zu Wem gehört die Welt? Unter Leitung des Cartoonisten, Heartfield-Liebhabers und Dozenten TRIK stellen sie politische Plakate her.

Junte Uiterwijk (Sticks) und Glenn de Randamie (Typhoon) bringen die andauernde Kakofonie der Meinungen zum Innehalten. In ihrer multimedialen Installation UNTER WASSER bleibt uns Raum, zur Ruhe zu kommen, uns zu besinnen und zu sammeln, jedoch auch, um Position zu beziehen. Mit einer Kombination aus Projektionen, Live-Nachrichtenfragmenten und speziell für diese Gelegenheit komponierten Tracks fordern die visuellen Wortkünstler dich heraus, die Polarisierung hinter dir zu lassen und die Welt einmal aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Gerade jetzt laden diese Ausstellungen jeden dazu ein, über die Darstellung von politischen Ideologien so wie über unsere gesellschaftlichen Träume und Albträume nachzudenken.

John Heartfield, Deutschland, Deutschland über alles, 1929 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield – Fotografie plus Dynamit fügt sich hervorragend in die Ausstellungsreihe des Museum de Fundatie zur Zwischenkriegszeit und der DDR ein, wie „Tanz auf dem Vulkan – Kunst und Leben in der Weimarer Republik“ (2013) und die Retrospektiven der Maler Werner Tübke (2017) und Wolfgang Mattheuer (2017), die neben Bernhard Heisig Gründer der Leipziger Schule waren.

AIZ 14, no. 9, mit Das Spiel der Nazis mit dem Feuer, 1935, © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Akademie der Künste, Berlin.

John Heartfield, 5 Finger hat die Hand. Mit 5 packst Du den Feind. Wählt Liste 5. Kommunistische Partei! (5 Fingers Has the Hand. With 5 You Seize the Enemy. Vote for List Number 5: the Communist Party!), 1928 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.

 

Eine Ausstellung von der Akademie der Künste, Berlin und dem Museum de Fundatie Zwolle organisiert: Kuratorinnen: Angela Lammert, Rosa von der Schulenburg, Anna Schultz. 

Diese Ausstellung wird unterstützt von: 
      

Foto kopfzeile: John Heartfield, Krieg und Leichen – Die letzte Hoffnung der Reichen (War and Corpses – The Last Hope of the Rich), 1932 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 Akademie der Künste, Berlin.


  • ab: 28 Apr 2021
  • bis einschließlich: 22 Aug 2021
  • Standort: Museum de Fundatie